Ein Abend mit den Wunderkindern Rinaldy

 

Der Kulturkreis Berchtesgaden e.V. lud zu seinem Frühlingskonzert mit Caitlan und Nathan Rinaldy in das  katholische Pfarrheim St. Andreas in Berchtesgaden.


Traditionell veranstaltet der Kulturkreis zuverlässig sein Frühlingskonzert. Dieser Begriff passte wohl nie so gut wie dieses Mal. Denn die beiden Protagonisten, „erst 14 und schon 13“, begeisterten nicht zuletzt mit frischem, klarem Spiel. In Australien geboren und schon früh durch die Welt gereist, überzeugte das Geschwisterpaar Caitlan und Nathan Rinaldy, dem der Ruhm aus vielen Konzerten auf verschiedenen Kontinenten vorauseilt und die daneben auf eine Reihe renommierter Preise verweisen können, auch bei ihrem Gastspiel in der „Provinz“.
 
Caitlan und Nathan Rinaldy leben derzeit in Salzburg und studieren am Leopold Mozart-Institut für Hochbegabtenförderung an der Universität Mozarteum. Das wohl originellste der überlieferten Flötenkonzerte von Carl Philipp Emanuel Bach hatten sich die beiden jungen Musiker als Einstieg ausgewählt. Nathan Rinaldy spielte die Querflöte mit vollem Einsatz und füllte den Klang mit viel Frische, einfühlsam begleitet von Schwester Caitlan.

Bis zum Finale des ersten Teils hatte sie dann das Podium für sich alleine, zunächst mit Ludwig van Beethovens Sonate Nr. 13, die sie, vor allem im quirlig flott perlenden Allegro, erstmals an diesem Abend überzeugen ließ. Man tat gut daran, sich einfach zurückzulehnen und sich betören zu lassen vom Können Caitlan Rinaldys. Nach Debussys „Pour le piano“, Sarabande II, folgte Franz Liszt mit einer rasant-schmissigen Tarantella. Beide Werke spielte sie mit erstaunlich souveräner Virtuosität.

Arthur Honeggers „Danse de la Chèvre“ für Querflöte solo leitete in die Pause. Nathan Rinaldy zeigte sich als ein mit großer Sicherheit musizierender Virtuose. Das konnte er auch im zweiten Teil mit einer Sonatine von Henri Dutilleux unter Beweis stellen, ehe er wieder seiner Schwester das Podium für einen weiteren solistischen Teil überließ. Caitlan spielte Sergei Rachmaninoffs Prelude in D-Dur Nr. 4 mit sehr ausgewogener Stimmführung und schloss mit der „Spanish Raspody“ von Franz Liszt. Als Zugabe spielte sie ein weiteres Prelude von Sergei Rachmaninoff, das aber vielleicht ein wenig zu schnell durch das Pfarrheim galoppierte. Wunderbar dennoch.

Was die beiden Geschwister Rinaldy an diesem Konzertnachmittag boten, war unbedingt hörens- und sicherlich auch staunenswert und hätte verdient, viel mehr Plätze im Pfarrheimsaal zu besetzen. So fiel der frenetische Beifall natürlich etwas dünner aus, als er eigentlich hätte sein müssen. Denjenigen aber, die neugierig genug waren, um den Wunderkindern zu lauschen, wurde ein feines, kleines Konzert geboten.     Dieter Meister